Daugendorf, 18. August 2016

Am Vormittag arbeite ich im Garten. Ich liebe das sehr. Die Pflanzen haben den Vorteil, dass sie nichts sprechen. Diese Ruhe tut gut. Aber wir verstehen uns trotzdem, allein schon die Sprache der Gerüche: der intensive Duft des Wachholders, die durchdringende Würze der Melisse oder der Minze. Doch die Pflanzen zeigen mir auch, wenn es ihnen gut geht: Frisch gehackt stehen die Blätter in einem intensiveren Grün da: der Salat oder der Krauskohl freuen sich dann richtig. Dieses Schweigen ist wunderbar, weil es viel mehr als die vielen Worte sagt, die heute überflüssigerweise in Werbeprospekten, Telefonmarketing, auf dem Smartphone, in Talksendungen und im Radio auf einen niederprasseln. Ich stelle mir vor: als Goethe vor bald 300 Jahren in seinem Garten den Salat erntete, wusste er nicht, was gleichzeitig in Südamerika oder Japan passierte. Heute dagegen schützt einen der schönste Garten nicht vor den Nachrichten aus der ganzen Welt. Wir wissen mehr und doch zugleich weniger. Da ist es gut, für einige Stunden aus den Nachrichtenströmen abzutauchen und die Stille der Pflanzen zu genießen.

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