Daugendorf, 27. November 2016

Der Nebel verführt zu düsteren Gedanken, vor allem wenn man entlang dem Gleis der Lokalbahn von Ulm nach Tuttlingen geht. Vor einigen Tagen hat sich hier ein fünfzehnjähriger Junge auf das Gleis gelegt. Mich verfolgt die Erinnerung an einen jungen Mann, dem ich hier vor etwa 10 Jahren begegnete. Er machte einen verschlossenen und verängstigten Eindruck. Hätte ich ihn nur angesprochen! Eine halbe Stunde durchschnitten die Räder des Zugs seinen Körper. Auch der Sohn einer Bekannten wählte diesen Tod. Seine Mutter war so verzweifelt, dass sie ein Jahr später denselben Weg ging. Aber nicht nur pubertäre Jugendliche bringen sich hier um: 40 km donauaufwärts schied ein Firmenpatriarch, der sich in der Finanzkrise verspekuliert hatte, auf diese Weise aus dem Leben.

Der Weg entlang diesem Gleis ist übrigens trotz des Nebels schön. Er führt durch ein Vogelschutzgebiet. Heute habe ich einen Storch und einige Fischreiher bei der Jagd nach Mäusen beobachtet. Der Storch hat es vorgezogen, nicht nach Afrika zu fliegen. Er hat gelernt, hier zu überwintern.

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