Messmers Tagebuch

Paradise lost – Paradise now

Ein oberschwäbisches Fototagebuch

Ist Oberschwaben ein Paradies? Wer aus der Großstadt hierkommt, dem erschient dies so, und manche sagen, dass hier die Welt langsamer untergehe als sonst.

Ich wohne in der Nähe eines Naturschutzgebiets: Störche, Reiher, der Rote Milan sind hier zu Hause. Die Schwäbische Alt ist nahe und die noch junge Donau hat wieder etwas mehr Raum erhalten: Wenn sie Hochwasser führt, entstehen Seen und Tümpel.

Aber auch hier entkommt man nicht dem modernen Menschen: die Landwirtschaft ist eine auf Gewinn ausgerichtete Industrie, riesige Maisfelder für die Biogasanlagen werden seit einigen Jahren angepflanzt, die Gärten werden zu zeit- und arbeitssparenden Steingärten umgestaltet, Bäume und Gebüsch aus den menschlichen Siedlungen immer mehr zurückgedrängt. Für Insekten und Singvögel sind dies auch hier schlechte Zeiten. Ihnen geht es deshalb manchmal in Großstädten besser.

Haben wir Menschen das Paradies verloren, da wir die Fähigkeit haben, zu erkennen, was wir anrichten? Doch wir können auch versuchen, verlorene Paradiese zurückzugewinnen: Seit einigen Jahren weiden wieder vermehrt Rinder auf den Wiesen, hat der Anbau von Gemüse ohne Pflanzenschutzmittel zugenommen, und es gibt immer noch Gärten und kleine – gewiss allzu kleine – Streifen in den Feldern mit Wiesenblumen und Kräutern.

Fast durchstreife ich diese Gegend. Mein Fototagebuch erzählt von einem Land abseits der Großstadt, paradiesisch schön und zugleich gefährdet.

Online Tagebuch

Dieses online-Tagebuch ist ein Versuch schreibend den Raum zwischen dem Tagebuchschreiber und der Welt zu erkunden, wie er sie erlebt und wie sie als Informationsfluss aus Zeitungen, Fernsehen und Internet aus der ganzen Welt einströmt.

Der Tagebuchschreiber ist einer von ungefähr 7,4 Milliarden Menschen. Schreibt er nur für sich? Oder sind seine Erlebnisse, Gedanken, Empfindungen Teil des einen oder anderen Schwarms? Kann er auf seine Augen und Ohren vertrauen? Was ist es wert, aufgeschrieben zu werden?

Ein online-Tagebuch sollte möglichst aktuell sein. Doch am selben Tag weiß ich oft nicht, was für mich wichtig war. Etwas Distanz ist also schon notwendig. Manchmal nur ein Tag, manchmal auch mehr.

Eine alte Wahrheit ist, dass der Augenblick nicht festgehalten werden kann. Doch was hat er bedeutet? Das Tagebuch zwingt mich, darüber nachzudenken. Das kann vielleicht auch für andere ein wenig interessant sein.

Kann Schönheit wahr sein?

München, 12. Oktober 2017 Ich besuche die Ausstellung „GUT, WAHR, SCHÖN“ in der Kunsthalle München. Zu Beginn begrüßt mich „Die Quelle“ von Jean Auguste-Dominique Ingre: ein Frauenakt auf der Suche nach idealer Schönheit, eine Allegorie („Schönheit als Quelle“) und...

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Magische Verbindung: Holz und Email

Daugendorf, 24. August 2017 Lange haben wir experimentiert, wie wir unsere Email-Bilder rahmen können. Email glänzt wie Glas, dazu kommt das durchscheinende metallische Kupfer. Viele Emailbilder sind reliefartig, also dreidimensional. Das passt nur schwer in einen...

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Im Wald

Zwiefaltendorf, 8. Juli 2017 Ein morgendlicher Waldspaziergang mit Thea am Emerberg nach der Nacht, in der in Hamburg Straßenschlachten ausgetragen wurden, während die Staatschefs der mächtigsten Länder unserer Erde in der Elbphilharmonie Beethovens 9. Symphonie...

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Sommernacht mit Phädra

München, 4. Juli 2017 Im Residenztheater sehe ich „Phädras Nacht“ mit der phantastischen Bibiana Beglau. Danach flaniere ich zum Königlichen Platz und genieße im Café am Lenbachhaus die Sommernacht. Albert Ostermaier und Martin Kušej haben die Phädra-Geschichte zu...

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Bei J. S. Bach

Leipzig, 23. März 2017 Es ist eine wunderbare Erfahrung: Orte spiegeln noch Menschen, die vor über 250 Jahren lebten. Im Leipzig fühle ich mich Johann Sebastian Bach sehr nahe. Das liegt vielleicht am Menschenschlag, der humorvoll, tiefgründig, widerspruchsvoll,...

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Seltener Frühlingsbote

Daugendorf, 26. Februar 2017 An der Donau gibt es noch Flussauen, die fast so urtümlich wie Mangrovenwälder an tropischen Küsten wirken. Die Natur hat hier ein wenig von ihrer alten Wildheit bewahrt. Sumpfwiesen, kleine Tümpel und urige Täler mit Felsen und Bächen...

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Videoinstallationen von Rachel Rose

Bregenz, 23. Februar 2017 Im Kunsthaus Bregenz werden drei Videoinstallationen von Rachel Rose gezeigt.  Sie arbeitet mit Videos wie mit Bildern, nur dass es bewegte Bilder sind, und fügt Geräusche und Töne hinzu. Ihre Collagen sind ästhetisch schön, erscheinen aber...

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Zugvögel

Steinach, 22. Februar 2017 Abends am Bodenseeufer kreist über zwei Bäumen ein riesiger Starenschwarm. Mir gehen viele Gedanken durch den Kopf: Zugvögel haben es besser als Menschen, brauchen weder Pass noch eine Asylerlaubnis. Menschen glauben immer, sie wären viel...

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Die Welt – ein Wintermärchen

Daugendorf, 8. Februar 2017 Nun sind die Weichen gestellt: das englische Parlament hat den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen. Ich fühle mich an Heinrich Heines Wintermärchen erinnert: Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie, sie tragen sie jetzt im Innern....

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Ein normaler Wintertag

Daugendorf, 14. Januar 2017 Der Wetterbericht gibt für Daugendorf eine Unwetterwarnung. Es soll starken Schneefall und einen Sturm geben. Ich habe die Bilder, die gestern Abend das Fernsehen gezeigt hat, im Kopf: umgefallene Bäume, Lastkraftwagen, die auf der Autobahn...

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Gleis des Todes

Daugendorf, 27. November 2016 Der Nebel verführt zu düsteren Gedanken, vor allem wenn man entlang dem Gleis der Lokalbahn von Ulm nach Tuttlingen geht. Vor einigen Tagen hat sich hier ein fünfzehnjähriger Junge auf das Gleis gelegt. Mich verfolgt die Erinnerung an...

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Willkommen bei den Hartmanns

Biberach, 6. November 2016 Nach langer Zeit wieder einmal im Kino: „Willkommen bei Hartmanns“ ist eine Filmkomödie über das Versagen unserer Gesellschaft. Diese Hartmanns leben in Freiheit und Wohlstand und machen nichts Positives daraus: Vater Hartmann, Chefarzt,...

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