Leipzig, 23. März 2017

Dass Menschenmassen in eine Buchmesse strömen, überrascht in Zeiten von Twitter und Facebook. Doch schon bei der Einlasskontrolle fallen Jugendliche in seltsamen Kostümen auf: Mädchen mit grün gefärbten Haaren, Jungens in japanischen Rüstungen, Prinzessinnen, seltsame Tiergestalten… Es ist nicht nur Buchmesse, sondern auch die Manga-comic-con. Doch die maskierten Jugendlichen mischen sich auch in das büchersuchende und büchervermarktende Publikum, das durch die Hallen und Stände strömt. Leipzigs Besonderheit ist die Nähe zum Leser: es gibt unzählige Buchpräsentationen, Gespräche und Lesungen, manche etwas steif, andere wie im österreichischen Bereich, im Rahmen eines Wiener Kaffeehauses – und abends nach Messeschluss öffnen sich Buchhandlungen, Museen und sogar Friedhöfe für Begegnungen mit Literatur. Literatur wird so in die Realität geholt, gelangt ganz nahe an die Menschen. Es gibt keine Berührungsängste zwischen den Autoren und den Lesern. Die erkältete Eva Rossmann liest aus ihrem neuen Kriminalroman über Veganer und verbindet dies im einleitenden Gespräch mit einem Appell an Toleranz. Die Texte sind ganz nah am Puls der Zeit. Doch gerade in diesen Tagen wird aus den Manga-Geschichten eine beängstigende Wirklichkeit: Kriminalisten fanden heraus, dass der junge Marcel H., der in Herne ein Kind und einen Freund getötet hatte, ein Manga-Fan war und die Phantasiewelt mit der Wirklichkeit auf grausame Weise verwechselt hatte.

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